Couponing? Couponing extrem? Was ist denn das?

Manche haben schon davon gehört, manche kennen die entsprechende Fernsehsendung, viele denke, ist doch Quatsch – und manche machen es.

 

Ich dachte, ich schreibe mal drüber. Auch über die Frage – lohnt sich das denn.

 

Couponing extrem kommt – natürlich – aus den USA. Wobei es nichts anderes ist als etwas, was schon unsere Großeltern gemacht haben – Rabattmarken sammeln.

 

Der TV-Zapper ist vielleicht schon bei der gleichnamigen Sendung auf TLC hängen geblieben, bei der gestreßte Großeinkäufer mit 5 gefüllten Einkaufswagen und einem Berg Coupons an der Kasse standen und bibberten, ob sie am Ende auch wirklich 99,9 % Ersparnis haben würden wie erwünscht und nur 1,76 $ zahlen müssen.

 

Realitätscheck – das funktioniert in Deutschland derzeit mit ziemlicher Sicherheit nicht.

 

Ich schweife zuerst mal ab. Ein kleiner Ausflug nach Amerika:

In den USA gibt es kein flächendeckendes Netz an Discountern. Es gibt große – riesige – Supermärkte – egal ob sie Safeway, Vons oder Piggly Wiggly heißen – man darf die vergleichen mit Real oder Edeka. Hier gibt es so gut wie ausschließlich Markenprodukte und in der Regel eine kleine Produktlinie an Grundlebensmittel einer Hausmarke.

Dann gibt es Whole Foods – eine Bio-Lebensmittelkette, sehr teuer.

Und es gibt Walmart – nach dem Selbstverständnis der günstigste Anbieter. Die meisten Walmarts sind eher Billig-Warenhäuser mit einer vergleichsweise kleinen Lebensmittelabteilung. Nur in Walmart-Supercentern gibt es eine große Lebensmittelabteilung. Walmart hat ein umfangreiches Sortiment an Produkten der Eigenmarke.

Außerdem gibt es noch Großmärkte, in denen jeder durch Zahlung eines Beitrags Mitglied werden kann – das sind Costco und Sams Club (letzterer gehört zu Walmart). Das ist vergleichbar mit Metro bei uns. Die Packungen dort sind WIRKLICH meist sehr groß und es gibt Eigenmarken. Aber man kann als Familie dort wirklich sparen gegenüber den Preisen der anderen Supermarktketten, sofern man sich die Vorratshaltung leisten kann.

 

Lebensmittel sind in den USA im Vergleich zu Deutschland relativ teuer – und der Markt wird durch Markenprodukte beherrscht – weil es eben keine landesweit operierenden konkurrierenden Discounter gibt.

 

Das wird sich ändern (und auch wenn es selten laut ausgesprochen wird – Walmart zieht sich gerade warm an) – denn Aldi und Lidl steigen in den dortigen Markt ein. Aldi (Süd) ist schon seit mehr als 20 Jahren in den USA präsent, allerdings wird erst seit wenigen Jahren aggressiv expandiert – man agierte bis vor kurzer Zeit nur Ostküstennah – knapp bis zur Mitte des Landes. Inzwischen gibt es aber 1600 Läden und man möchte innerhalb von 10 Jahren die Zahl verdoppeln. Allein bis 2018 sind 400 weitere Läden geplant. Die ersten 30 in Kalifornien sind etabliert – nun rollt man das Feld von beiden Küsten auf.

 

Lidl hat gerade die ersten 10 Filialen eröffnet und will innerhalb eines Jahres 100 weitere eröffnen.

 

Bislang teilten sich also den Markt so gut wie ausschließlich Markenproduktanbieter auf – und alle Käufe waren letztlich ein verschieben von Marktanteilen vor allem zwischen beispielsweise Henkel (Persil, Perwoll uvm.) und Procter & Gamble (Pampers, Ariel, Lenor uvm.). Und das versuchen die Hersteller natürlich zu steuern. Und eine Methode dazu sind Coupons.

Der normale Kunde sieht einen Coupon, sieht daneben das Produkt oder die Werbung dafür, freut sich, daß er ein paar Cent spart, legt das Produkt in seinen Einkaufswagen – idealerweise mehr als er braucht und kauft. Ziel für den Hersteller erreicht.

 

Der Coupon-Shopper kennt die Normalpreise, weiß, daß Angebote üblicherweise in einem gewissen Turnus rotieren (das ist auch in Deutschland so – in einer Woche ist Pepsi im Angebot, dann gibt es kein Konkurrenzprodukt Coca Cola in der Werbung in diesem Supermarkt. Oder Ariel wird beworben – dann gibt’s kein Persil vergünstigt in diesem Prospekt).

 

Die Kunst ist also, den Coupon nicht sofort einzusetzen, sondern abzuwarten, bis das Produkt sowieso auf dem möglichst niedrigsten Ladenpreis ist und dann noch einen zusätzlichen Rabatt zu erzielen. Besonders effektiv, wenn der Supermarkt selbst noch zusätzlich was „drauflegt“, indem er einen Extrarabatt auslobt – 10 % zusätzlich oder eine Gratisbeigabe (kaufe 2, bekomme 1 gratis oder 2 für 1). Manchmal gibt es auch Aktionswochen, in denen der Supermarkt die Herstellercoupons verdoppelt.

 

In den USA darf man meist mehrere Coupons bei einem Kauf einsetzen. Außerdem werden manchmal „Plusguthaben“ wirklich angerechnet (Beispiel: Du hast einen 1 $ Coupon, das Produkt kostet in der Werbung nur 0,79 $, dann machst Du Gewinn und der Supermarkt schreibt Dir sogar 0,21 $ gut.). Der Trick ist, von diesen Produkten möglichst viel zu nehmen, damit man damit dann Produkte in den Warenkorb nimmt, die nicht reduziert sind. Frischwaren wie Milch, Fleisch und frisches Brot sind nämlich so gut wie nie reduziert.

 

Wenn man also genug dieser „Guthabenprodukte“ kauft, kann man am Ende zum einem mit viel Ware aus dem Laden gehen – zum anderen damit andere Dinge refinanzieren.

 

Die Bedingungen der Coupons genau zu kennen, zu wissen, wann welcher Supermarkt welche Aktionen hat und natürlich das Ausschneiden und Sammeln der Coupons – das ist ein zeitaufwendiger Job. Wer aber in den USA wenig Sozialleistungen erhält und sein Budget knapp halten muß, investiert diese Zeit und spart damit durchaus erwähnenswert.

 

Viele machen das auch, um z.B. die lokale Suppenküche oder andere soziale Einrichtungen zu unterstützen. Wir müssen uns klar machen – Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Krankengeld, Krankenversicherung sind nach wie vor nicht selbstverständlich, eine Krankenhausrechnung kann eine Familie für Jahre in Schulden stürzen!

Nun genug der Reise nach Amerika.

 

Wie läuft es denn bei uns?

Bei uns gibt es überall und flächendeckend bis ins kleine Dorf Discounter – das Preisniveau für Lebensmittel und anderes, was im Discounter erhältlich ist, ist relativ niedrig. Die Konkurrenz sorgt dafür, daß auch die Supermarktketten üblicherweise eine Hausmarke auf dem Preisniveau der Discounterprodukte haben.

Die Markenhersteller können also in Deutschland von Haus aus oft nicht die Preise erzielen, die sie gerne wünschen würden – der Markt reguliert sich sehr genau und die Verbraucher sind sehr preissensibel. (Man erinnere sich, es hat Jahre gedauert, einen höheren Preis für „die Tafel Schokolade“ zu etablieren!) Es gibt ein paar magische Grenzen, die man sehr schwer überwinden kann.

Aber man versucht vorsichtig, das Couponsystem zur Verschiebung von Marktanteilen auch bei uns zu etablieren – allerdings mit erheblich größeren Einschränkungen als in den USA. So darf üblicherweise in Deutschland nur ein Coupon pro Zahlvorgang eingesetzt werden. Vielen Kunden ist es zu aufwendig, die Dinger zu sammeln und ggf. zur Hand zu haben.

Oder aber in mehreren Tranchen zu bezahlen.

Die Rabatte sind auch eher vorsichtig – meist bewegt es sich um 0,50 € pro Kauf. Manche Hersteller gewähren den Rabatt auch nur als Rückzahlung, wenn man den Kassenzettel einreicht. Viel Aufwand für wenig Ertrag. Noch einigermaßen einfach, wenn eine Agentur beauftragt ist, die solche Rückerstattungen sammelt – aber dennoch – das steckt noch in den Kinderschuhen!

Generell: Es lohnt sich dennoch zu wissen – auf was gibt es gerade Rückerstattung? Wieviel darf ich kaufen? Was ist der Normalpreis? Was ist der Werbepreis?

Beispiel: Ein Molkereiprodukt kostet üblicherweise 0,79 €, es ist eins, das ich tatsächlich regelmäßig kaufe. Es gibt eine Aktion, bei der ich pro Packung 0,30 € erstattet bekomme und maximal 10 einreichen darf. Alle paar Wochen ist es rotationsmäßig in der Werbung und kostet dann 0,59 €. Diese Woche nutze ich dann, 10 Packungen zu kaufen. Ich bekomme somit das Produkt für einen Endpreis von 0,29 €.

Eine andere Aktion läuft im Moment – Markenhersteller Wasch- und Reinigungsmittel. Kaufe 4 Produkte aus einem bestimmten Sortiment an Waren und erhalten 4 € Sofortrabatt an der Kasse. Dazu gehören zum einen Waschmittel. Eine Supermarktkette hat das entsprechende Waschmittel sowieso gerade im Angebot – 2,44 € pro Packung mit 20 Waschladungen. Das ist entspricht dem Preis der Discounter Eigenmarke. Wenn ich nun mit dem Rabatt nur 1,44 € bezahle pro Packung – dann lohnt sich auch die Vorratshaltung!

Angesichts der Einschränkungen und der zeitlichen Begrenzung von Coupons und der Tatsache, daß es derzeit vergleichsweise wenig Produkte mit Coupons gibt, wird es noch dauern, bis auch bei uns eifrige Käufer riesige Einkaufswagen für kleines Geld aus den Geschäften karren.

Ich denke auch, der Endverbrauchermarkt ist bei uns etwas anders als in Amerika (es gibt eine Menge Gründe, warum Walmart in Deutschland gescheitert ist – zwei davon heißen Aldi und Lidl) – der Spielraum für Rabatte bei den Herstellern ist kleiner.

Eine Variante des Couponing sind außerdem Gratisaktionen. Hier möchten die Hersteller meist ein neues Produkt im Bewußtsein der Verbraucher verankern und werben mit „Gratis“. Man muß dann den Kassenzettel einreichen und erhält das Geld zurück. Je nach Preis des Produktes ist das mehr oder weniger lukrativ. Zudem scheut mancher natürlich davor zurück, seine Kontodaten weiterzugeben. Das ist eine persönliche Entscheidung. Meist darf man ebenfalls nur eine begrenzte Anzahl an Produkten einreichen. Ab und an gibt es aber Highlights, bei denen man eine unbegrenzte Menge Aktionsprodukte erstattet bekommt. Ist die Ware haltbar, spricht nichts dagegen, sich zu bevorraten!

Sparen kann man aber bei geschicktem Einsatz durchaus. Ich persönlich nutze Coupons gerne und bevorrate mich mit Dingen, die ich auch im Normalfall kaufen würde und die eine nahezu unbegrenzte Lagerfähigkeit haben.

Ich kann nur für mich selbst sprechen – im Rahmen meines Wocheneinkaufs habe ich einige große Supermärkte sowieso auf meiner Route, die Werbeprospekte studiere ich immer zu Wochenbeginn, um meinem Einkaufszettel zu schreiben. Es ist also kein erwähnenswerter Zusatzaufwand, die rabattierten Produkte auf meine Liste zu schreiben.

Einigermaßen konsequent betreibe ich das sparen mit Gratisprodukten und Coupons etwa seit einem halben Jahr.

Der Warenwert (Erstattungsbetrag) der Gratisprodukte liegt bei ca. 250 € (und ich nutze nur Aktionen, bei denen ich das Produkt auch wirklich brauchen kann, ich hätte es aber nicht unbedingt zum Preis von Markenware gekauft).

Die Ersparnis durch Coupons beträgt überschlägig noch einmal etwa 100 €. Das ist eine echte Ersparnis – denn Coupons nutze ich ausschließlich bei Produkten, die generell in dieser Form auf meinem Einkaufszettel stehen. (als Beispiel: Ein Coupon, mit dem das Markenprodukt am Ende immer noch teurer ist als das Vergleichbare beim Discounter wird von mir nicht eingesetzt).

Ich packe dieses Geld konsequent auf ein Sparkonto (deswegen weiß ich ziemlich genau, wie hoch meine Ersparnis ist). Ich finde, hochgerechnet auf ein Jahr sind 700 € Einsparung ein solider Betrag.

Nicht rechnen darf man die Zeit – aber wieviel Zeit „verplempert“ man am Tag ohne einen finanziellen Gegenwert? Vielleicht vor dem Fernseher? „Das perfekte Hochzeitskleid“ ist hier eher Zeitverschwendung – während man „Extreme Couponing“ vielleicht noch in diesem Fall als Schulungsfernsehen ansehen kann 😉

 

 

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3 Kommentare

  1. Stefanie Hakulin · Oktober 8, 2017

    Als Couponerin aus den USA habe ich diesen Beitrag mit Interesse gelesen. Sehr gut recherchiert. Im Moment verschlechtert sich Couponing in Amerika etwas und wird in Deutschland besser.

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    • Adastra · Oktober 8, 2017

      Hallo – danke für Deinen netten Kommentar! Ich freue mich auch, daß Du bestätigst, daß meine Informationen der Wahrheit entsprechen 😉 Wenn ich in den USA bin, habe ich immer zuwenig Zeit, intensiv Couponing zu betreiben – meist bleibt es doch dabei, meine Kundenkarten zu nutzen (die habe ich immerhin). Im Urlaub bekommt man halt keine Sonntagszeitung mit Beilage – und für „Altpapiercontainer durchforsten danach“ ist mir der Urlaub doch zu schade – sparen hin oder her. Und was sollte ich auch mit großartig Vorräten – selbst wenn wir eine Ferienwohnung haben.

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      • Stefanie Hakulin · Oktober 9, 2017

        Also im Urlaub würde ich auch nicht im Papierkontainer rumkrabbeln :-). Kundenkarten sind schon mal klasse und sparen sehr viel. Kleiner Tipp, ich weiß nicht ob du es weißt, du kannst dir inzwischen online auf die Kundenkarten auch Manufaktur Coupons laden, die werden dann automatisch beim scannen der Kundenkarte abgezogen.

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